Ende der Achtzigerjahre gründete ich in meiner Geburtsstadt Göttingen das "Theater im Ballhaus", gemeinsam mit Roland Schimmelpfennig und anderen Freunden. Unser Programm waren am Anfang schnelle, schrille und sehr lange Überschreibungen kanonisierter Klassiker mit eigenen Texten, später kamen Ur- und Erstaufführungen eigener und fremder moderner Texte dazu. Der grösste Erfolg war "Ein Eichsfelder in Paris" nach Molière (mit mir in der Titelrolle!), der grösste Flop "Der mit der Gams tanzt", unser ambitionierter Versuch, als Reaktion auf den ersten Irakkrieg Schillers "Tell" in eine postkoloniale, antirassistische Farce zu verwandeln.

Überregionale Aufmerksamkeit erreichte unsere Gruppe mit der deutschsprachigen Erstaufführung von Dani Ginks Moskauer Bühnen-Hit "Beglatzt Brünett". 1993 nach dem gemeinsamen Umzug nach Köln in der Alten Feuerwache herausgebracht, war das Stück später auch mit grossem Erfolg am Jungen Theater in Göttingen und an anderen Orten zu sehen.

Die hierarchielose, unabhängige Arbeitsweise des "Theaters im Ballhaus", der anarchische Geist von Bandenbildung und Freundschaft und der Wunsch, jenseits von herkömmlichen Kategorisierungen jeder Art zu arbeiten, prägen mich als Regisseur bis heute. Genauso wie die immer wieder fortgesetzte Zusammenarbeit mit Roland Schimmelpfennig, u.a. mit mehreren Ur- und Erstaufführungen in Bochum, Zürich, Linz und Osnabrück - und zuletzt bei "100 Songs" am Stadttheater Gießen.

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Ab 1991 ist war ich auch Hospitant und Assistent bei zahlreichen Produktionen an verschiedenen Theatern. Besonders prägend waren die Anfangsjahre der Berliner Volksbühne, vor allem die Arbeit bei und mit Andreas Kriegenburg - und das Miterleben der ersten Theaterarbeiten von Christoph Schlingensief. 1998 bis 2001 arbeitete ich dann als fester Regieassistent an der Schauspielsparte des Staatstheaters in Darmstadt, die schon damals von einem Kollektiv junger Regisseur*innen und Dramaturg*innen geleitet wurde.

Dieses Kollektiv ermöglichte mir 2001 den Aufbruch in das Leben als freier Regisseur in deutschsprachigen Stadt- und Staatstheatern - mit dem Monolog „M.E.Z.“ von Roland Schimmelpfennig in einem spektakulären Setting auf dem fußballfeldgroßen Dach des Staatstheaters Darmstadt und dem vierstündigen, wüsten Rock’n’Roll-Western „The Collected Works Of Billy The Kid“ nach Michael Ondaatje auf der legendären Studiobühne im Keller des Theaters. Mit diesen Arbeiten begann auch die bis heute sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Anja Jungheinrich.

Seither lebe ich wieder in Berlin - und habe fast fünfzig Inszenierungen an verschiedensten Häusern in Deutschland, Österreich und der Schweiz realisiert. Besonders intensive Arbeitsbeziehungen gab und gibt es mit dem Pfalztheater Kaiserslautern, dem Theaterhaus Jena, dem Schauspielhaus Bochum, dem Stadttheater Gießen, dem Theater am Neumarkt in Zürich und dem Theater Aachen. Meine Aachener Inszenierung von Björn Bickers großartigem Stück „Deportation Cast“ wurde 2013 zum Theatertreffen NRW eingeladen.

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Weitere Stationen waren u.a. Regensburg, Paderborn, Stuttgart, Linz, Kiel, Göttingen, Köln, Osnabrück, Nordhausen, Konstanz, Oberhausen, Münster und Mainz.

Ein Schwerpunkt meiner Arbeit sind neben der selbstbewussten und gleichzeitig sorgfältigen Auseinandersetzung mit modernen und klassischen Dramentexten eigene Romanbearbeitungen und Drehbuchadaptionen, u.a. „Panikherz“ (von Stuckrad-Barre) in Gießen, „Der Prozess“ (Kafka) und „Tyll“ (Kehlmann) in Kaiserslautern, „Körperzeit“ (deLillo) in Zürich, „Homo Faber“ (Frisch), "Manderlay" (v.Trier), „Breakfast At Tiffany’s“ (Capote) in Aachen „Fucking Amal“ (Moodyson) in Stuttgart, ein Hochstapler-Projekt nach Patricia Highsmith und Thomas Mann in Göttingen sowie das Aufsehen erregende, interdisziplinäre Rechercheprojekt „Der Geruch vom Bodensee“ in Konstanz.

Daneben arbeite ich immer wieder als Lehrbeauftragter und Projektleiter an verschiedenen Hochschulen, u.a. der Kunsthochschule Berlin-Weissensee, der HfbK in Dresden und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart.

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